Chronik
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Vogtei Freiburg:
Zunft der Bächleputzer von 1935 e.V.
Im Jahre 1883 gründete Fidelio Ebenho einen geselligen Raucherclub, der sich in wenigen Jahren zum etablierten Gesangverein entwickelte. Die humoristische Ader des Gründers dieses Männergesangvereins „Fidelitas“ stand Pate, als 1935 unter der Leitung des bekannten Humoristen Bertl Eggert aus einer kleinen Schar von Sängern die Zunft der Bächleputzer aus der Taufe gehoben wurde. Der „Bächleputzer hat seinen Namen von den städtischen Arbeitern, die in Freiburg, „der Stadt der vielen Bächle“, für die Sauberkeit dieses noch aus dem Mittelalter stammenden Kanalsystems zuständig waren. 1936 wurde die Zunft der Bächleputzer in die Breisgauer Narrenzunft aufgenommen.
Als erster „Oberbächleputzer“ führte Bertl Eggert die Zunft als Zunftvogt bis Kriegsbeginn.
Mangels finanzieller Mittel improvisierte man ein Häs das ei
ne Persiflage auf die Arbeitskleidung der städtischen bediensteten Bächleputzern war: Blaue Arbeitshose mit Segeltuchgamaschen, weißes Hemd und blaugraue Mütze mit einem langem Schild. Eine blaue Arbeitsschürze sowie ein gelb-blau karierter Dreieckschal vervollständigten das Häs. Der symbolische Reisigbesen, sind damals wie heute wichtigstes Requisit und durfte natürlich nicht fehlen.
Nach der Gründungssatzung konnten nur aktive Sänger der Fidelitas der Zunft angehören.
In den Jahren 1935 bis 1939 beteiligte man sich sehr aktiv an der noch jungen Friburger Fasnet. 1936 brachte man als die Attraktion zum Fasnetmendigumzug einen „Senklochwagen" mit, auf dem ein großes Faß mit aufgesetztem Kran montiert war, um den Unrat aus den Gullys heraufzuholen.
Bis 1939 fanden in den Räumen der Harmonie – dem damaligen Zunftlokal – fasnächtliche Tanz- und Kappenabende statt. Wenn manchmal die überschäumende, närrische Lebensfreude, gesteigert durch Alkohol, allzu große Sprünge machte und mancher gelungene Streich von jung und alt belacht wurde, rief man sich gegenseitig lautstark zu:
„Hesch du in Freiburg ein Räuschle gar schnell, leg dich ins Bächle, dann wirsch wieder hell“
Die aufstrebende Entwicklung wurde durch die schweren Jahre zwischen 1939 und 1945 unterbrochen. Der Krieg riss auch Lücken in die Reihen der Bächleputzer. Wieder war es Bertl Eggert, der nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft (1949) neues Leben in die Reihen der verbliebenen Bächleputzer brachte. Er verstand es wie kein zweiter, innerhalb kürzester Zeit die entstandenen Lücken zu schließen und mit vielen närrischem Tun und Wirken die Zunft wieder auf die Beine zu stellen.
Bereits 1951 konnte man wieder mit einem Wagen am Fasnetmendigumzug teilnehmen und öffentliche Veranstaltungen durchführen. Es war von da an eine Selbstverständlichkeit, alljährlich einen eigenen Umzugswagen zu gestalten. Preisgekrönte Wagen wie etwa 1964 zum Thema Entwicklungshilfe oder ein Jahr später mit einer Persiflage auf die Beatles, bleiben unvergessen.
Das Jahr 1953 brachte eine weitere Steigerung des Bemühens, gemeinsam in Freiburg wieder Fasnet zu machen, wie in alten Tagen. Die Freiburger Zunftgemeinschaft, die sich aus den Blaue Narren, den Haslacher Dickköpf und den Bächleputzern zusammensetzte, wurde aus der Taufe gehoben. Man setzte sich das Ziel, in der neuen Stadthalle gemeinsam einen Rosenmontagsball zu veranstalten. Es war auch im Jahre 1953 in dem wir das erste Mal das Protektorat der Freiburger Fasnet übertragen bekommen haben und unsere Zunft den Jahresorden der BNZ zierte.
1961 wurde das Häs der Bächleputzermänner neu gestaltet. Das neue Häs bestand aus einer grünen Knickebocker-hose, einer schwarz-rot-braun karierten Jacke einem weißes Hemd und einem gelben Halstuch. Dazu passend rote Strümpfe und eine karierte Schildmütze.
Der Reisigbesen und der typische runde in Handarbeit angefertigte Hausorden mit Filz überzogen und einem kleinem Holzbächleputzer darauf hat noch Heute bestand.
Die Frauen, die gemäß Satzung nicht aktive Bächleputzer werden konnten, schufen sich zu diesem Zeitpunkt ein eigenes „Häs".
Unter der Regie von Friedel Eggert und Else Schaaf entstand ein grüner Minirock mit Stickereien, kleines mit Stickerei versehenes grünes Mützchen sowie ein rotes Halstuch, rote Handschuhe und rote Schaftstiefel. Dazu trugen die Damen eine weiße Bluse und weiße Strumpfhosen. Ein Mini-Reisigbesen ergänzte das farbenfrohe, närrische Bild.
War bis 1954 der Große Meyerhof das Domizil und Zunftlokal der Bächleputzer, so musste man nach dem Umbau der Gaststätte eine neue Bleibe suchen. In der „Wolfshöhle" wurde eine vergleichbare, gute und gemütliche Lokalität gefunden.
1961, zum 25jährigen Jubiläum, konnten Zunftvogt Bertl Eggert und Säckelmeister Walter Meßmer im überfüllten großen Feierlingsaal erstmals in der Nachkriegszeit alle Freiburger Narrennester willkommen heißen. Auch aus Lenzkirch, Kirchzarten und Kollnau waren befreundete Narrenzünfte angereist, um mit den Bächleputzern zu feiern. Die B.N.Z.-Führung, an der Spitze Oberzunftmeister Willy Jäger und Bürgermeister Schieler, gaben sich die Ehre, der Zunft ihre Glückwünsche auszusprechen. Noch am selben Abend wurde der bisherige Säckelmeister Walter Meßmer zum Zunftvogt ernannt. Für seine Verdienste wurde Bertl Eggert nach 25 Jahren zum Oberzunftvogt und Oberzunftrat der B.N.Z. ernannt.
Humoristische Auftritte in den 50er und 60er Jahren bei den Kappensitzungen der B.N.Z. waren Marksteine der intensiven Mitarbeit im Freiburger Narrenleben. Höhepunkte waren auch Auftritte in Stuttgart, Baden-Baden, Müllhausen und Besancon.
Der Zahn der Zeit hatte zwischenzeitlich am Häs genagt. Elf Jahre ausgelassenes Narrentreiben ließ das Häs abgetragen und schäbig aussehen. Da man es versäumt hatte, Stoffmuster zu wählen, die auch in späteren Jahren noch erstanden werden konnten, war man gezwungen, ein neues Häs zu gestalten. Auch lag der Trend nach einer Maske bei der Jugend im Vordergrund. In zweijähriger Planung und Gestaltung konnten dann 1971 die ersten 14 neu geschaffenen Häs mit Maske beim Zunftabend in der Harmonie vorgestellt werden.
Den Entwurf der beidseitig zu tragenden Holzmaske auch Drehmaske genannt, kreierte der Bildhauer Freiherr von Kittlitz aus Freiburg; bereits 1959; die Ausführung übernahm der Bildhauer Schonhard in Simonswald.
Die dunklen Augenbrauen dienen bei der umgedrehten Maske als Schnurrbart. Die mittlere Gesichtspartie mit der plattgedrückten Nase und den roten Backen sowie die hellbraunen Ledermütze mit Schild und langem Spitz haben noch Heute bestand. Die Hästräger tragen die Maske in der Regel aber nur in einer Richtung.
Dazu passend eine Lederschürze mit dem Symbol eines Bächleputzers bedruckt, blauen, halblangen Hosen mit Fransen, grüner Jacke mit dem Emblem des Bächleputzers auf dem Rücken, einem roten Dreieck-Halstuch, roten Kniestrümpfen und Handschuhen, stellte man sich erstmals der Öffentlichkeit vor. Der Reisigbesen, wie in den ersten Jahren als Symbol der Zunft, gehört genauso zum Häs wie der in Handarbeit angefertigte Hausorden.
Die bisherige Regelung, dass nur aktive Sänger Bächleputzer werden konnten, wurde 1971 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aufgehoben. Diese Neuregelung zog einen regen Zulauf nach sich, so dass bereits drei Jahre später die Zahl der Hästräger von 14 auf 28 angestiegen war.
1972 zog die Zunft in ein neues Zunftlokal – Gaststätte Güterbahnhof, Waldkircherstraße. Es war eine schöne Zeit für die Bächleputzer, „im großen Wohnzimmer" bei den Jörgers.
Von 1973 bis 1981 wurde Klaus Bolli zum Zunftvogt gewählt. Er führte die Zunft 8 Jahre lang hervorragend. Es war Klaus Bolli der die Musikvereine Freiburg West und Sölden
für die Bächleputzer begeistern konnte und sie zur Teilnahme an Umzügen und Veranstaltungen in der Schweiz, Frankreich und weit über die Grenzen von Freiburg bewegen konnte. Somit wurden die Bächleputzer gern gesehen, eingeladen und es entstanden tolle Freundschaften im In- und Ausland.
Für die Musiker wurde ein Sonderhäs geschaffen: Es bestand aus einer grünen Jacke mit Wappen, roten Halstücher und Knoten sowie aus der bis heute erhaltenen braunen Mütze
.
In der Amtszeit von Klaus Bolli, hat auch unser langjähriges Mitglied Hans Kratzer das Bächle für unser Narrenmuseum gebaut, welches bis heute unserer Narrenfigur den richtigen Stand verschafft. 1981 ist Klaus Bolli aus privaten Gründen ausgeschieden.
Als eines der letzten noch lebenden Gründungsmitglieder wurde Oberzunftvogt Walter Meßmer, Dank seiner Verdienste um die Fasnet und der Pflege des Brauchtums, 1980 zum Oberzunftrat der B.N.Z. ernannt und 1982 mit dem goldenen Verdienstorden des V.O.N. ausgezeichnet.
1981 übernahm Bernd Arnold das Amt des Zunftvogt. Bernd Arnold war wohl bekannt durch sein „gewichtiges“ Auftreten als Humorist, Mitglied der Clownerie und Narrenrat der BNZ, wo er als Rüstmeister im Laufe der Jahre einige Arbeiten übernahm. Im Gasthaus zum Tram, bei der Familie Unterweger, haben die Bächleputzer zu dieser Zeit ein neues „Wohnzimmer" gefunden.
Es gab für die Bächleputzer nicht nur viele schöne Feste im kleinen Kreis, sondern auch Aktivitäten um anderen Menschen Freude und schöne Stunden zu bereiten, wie z.B. durch den Plakettenverkauf zu Gunsten der „Aktion Sorgenkind", oder unsere Protektoratsübergabe im Jahre 1986. Auch in diesem Jahr zierte der Bächleputzer den Jahresorden der BNZ
1995 wurde Bernd Arnold für seine Verdienste in der B.N.Z., in der fast 20 Jahre tätig war und im Jahr 2000 ausgeschieden ist, zum Oberzunftrat ernannt.
1991 gab Bernd Arnold sein Amt als Zunftvogt an seinen langjährigen Stellvertreter Georg (Schorsch) Eiber ab.
Unter Führung von Georg Eiber wurde 2001 eine neue Satzung festgelegt und die Zunft der Bächleputzer wurde zu einem eingetragenen Verein. Mit Aktivitäten wie den Fasnetsonntags – und Kinderball sowie dem Seniorennachmittag und dem Zunftmeisterempfang der BNZ in der Stadthalle, Feste am Augustinerplatz und später am Rathausplatz wurde es den Bächleputzern nie langweilig.
Beim feierlichen Zunftrat im Jahre 2003 wurde Georg Eiber zum Oberzunftvogt ernannt.
Im Jahre 2004 wurde das Gasthaus Tram geschlossen, 14 Jahre lang hatte die Zunft dort eine schöne Zeit. Im Oktober 2004 kehrten die Bächleputzer an Ihre alte Wirkungsstätte zurück. In dem Gasthaus Ambiente, Waldkircherstr.1 in Freiburg ehemals Gaststätte Güterbahnhof „Jörger“ wurde ein neues (altes) Zuhause gefunden. Nach 14 Jähriger Amtszeit gab Georg Eiber im Jahre 2005 sein Amt als Zunftvogt an seine Stellvertreterin Heike Herbstritt ab.
Im Jahre 2006 wurden die langjährigen Mitglieder Hans Kratzer, der seit dem 11.11.1955 Mitglied in unserem Verein ist, sowie Lina und Heiner Rueb von der VON für Ihre 33 Jährige Mitgliedschaft mit dem Verbandsorden in Gold ausgezeichnet.
Im Jahre 2006 mussten wir unsere Zunftgemeinschaft mit den Blauen Narren und auflösen. Aufgrund der Nutzungsänderung der Messehalle auf dem „alten Messplatz“ verlagerte die BNZ den Empfang der auswärtigen Narren und den Zunftmeisterempfang.
Dadurch ist es der Zunft der Bächleputzer nun möglich mit einem eigenen Getränkestand an der Straßenfasnet am Fasnetsundig und am Fasnetmendig auf der Kaiser-Joseph-Straße dabei zu sein.

Zu unserem 75 jährigen Jubiläum im Jahre 2010 wurde uns von der Breisgauer Narrenzunft das Protektorat anvertraut. Die Feierliche Protektoratsübergabe an den Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, Dr. Dieter Salomon richteten wir am 22.01.2010 im Konzerthaus in Freiburg aus. Mit einem kurzweiligen abwechslungsreichen Programm, einer großen Barlandschaft und toller Musik sorgten wir dafür, daß es unseren Gästen an nichts fehlte.